Wieso die Krise Brasilien weniger schwächt

13/08/2009


Reuters von Luciana Lopez

In der weltweiten Wirtschaftskrise erweist sich die geschlossene Wirtschaft des Schwellenlandes als Segen.

Banken in staatlicher Hand, hohe Reserveanforderungen, happige Steuern, hohe Zinssätze und eine vergleichsweise geschlossene Wirtschaft: Lange sah sich Brasilien dem Druck ausgesetzt, seine Wirtschaft stärker zu öffnen.

Die Geschlossenheit der Volkswirtschaft erweist sich nun als Vorteil. Als die Krise durchschlug, war es die Inland-Nachfrage, die das Schwellenland vor dem heftigen Einbruch bewahrte, der weiter entwickelten Staaten immer noch zu schaffen macht.

Brasiliens Exporte Brasiliens machen nur 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus - unter den grösseren Volkswirtschaften ist das einer der niedrigsten Werte, wie es in einer Studie von Goldman Sachs heisst.

Lange beklagten sich Industrie und Detailhändler zudem über hohe Steuern. Doch das gab der Regierung nun einen grösseren Spielraum: Sie senkte die Gewerbesteuern und kurbelte damit etwa den Absatz von Neuwagen an, der im Juni auf einen Rekord stieg.

Hohe Reserven verlangt

Auch die Heerschar staatlicher Banken war von Ökonomen jahrelang als struktureller Mangel gebrandmarkt worden, der die aufkeimenden Kreditmärkte des Landes verzerre.

Doch als die Finanzkrise zu Wüten begann und die privaten Banken zurückruderten, waren es staatliche Banken wie Banco do Brasil, Caixa Economica Federal und die Entwicklungsbank BNDES, die den Kreditfluss am Laufen hielten. Auch hier schaffte sich die Regierung Freiraum durch restriktive Regeln: die hohen Mindestreserve-Pflichten - ein Grund für die traditionelle Zurückhaltung der Privatbanken bei der Kreditvergabe. Nach Ausbruch der Krise begann die Zentralbank, diese Vorgaben abzusenken. Damit standen zusätzliche rund 100 Mrd. Real (58,5 Mrd. Fr.) für Kredite zur Verfügung.

Letztlich hätten die hohen Mindestreserve-Anforderungen damit einen gewissen Handlungsspielraum geschaffen, konstatiert Lisa Schineller von der Rating-Agentur Standard & Poor's.

Raum für Zinssenkungen

Mit den üblicherweise hohen Zinssätzen hatte die Zentralbank ein weiteres Mittel zur Bekämpfung der Rezession an der Hand. Im Januar begannen die Währungshüter den Leitzins zu senken - insgesamt um 5 Prozentpunkte auf ein Rekordtief von 8,75 Prozent.

Ähnliche Massnahmen ergriffen auch andere südamerikanische Staaten: So sank der Leitzins in Chile von 8,25 Prozent Ende 2008 auf noch 0,5 Prozent.

Dagegen lag der Leitzins in den USA bereits so niedrig, dass der Federal Reserve vergleichsweise wenig Spielraum für weitere Senkungen blieb. Von 3,5 Prozent im Januar nahm die Fed den Satz auf 0 bis 0,25 Prozent zurück.

Nur wenig Fremdkapital

Hohe Zinssätze und saftige Aufschläge auf den Referenzzinssatz verhinderten die Bildung einer Kreditblase in Brasilien. Zudem zirkulierten auf dem brasilianischen Markt nicht die exotischen, undurchsichtigen Wertpapiere, die insbesondere die US-Wirtschaft in die Tiefe zogen.

Brasiliens Banken arbeiteten mit einem relativ geringem Einsatz von Fremdkapital. Brasilien sei denn auch erst am Anfang der Entwicklung der Kreditvergabe gewesen, als die Krise hereingebrochen sei, sagt Rafael Guedes, Generaldirektor von Fitch Ratings Brasil.

Die gleichen Probleme

Trotz aller positiven Aspekte: Die Strukturprobleme Brasiliens müssen nach Ansicht von Ökonomen angegangen werden. Denn es seien genau jene Faktoren, die das Wachstumspotenzial in der Vergangenheit verringert hätten - und dies auch künftig wieder tun könnten.

Die aktuelle Krise sei nicht mit früheren vergleichbar, gibt Guedes zu bedenken. In der Vergangenheit habe Brasilien in Krisen nicht so gut abgeschnitten. Guedes' Fazit: «Es geht uns nicht gut. Der Punkt ist, dass es allen anderen noch viel schlechter geht.»

 

 

 

Date : 2009-08-13 14:26:12