Schweizer Wirtschaft: Unsichere Aussichten nach Erreichen der Talsohle
27/10/2009
Jan AtteslanderMember of the executive board at economiesuisse
Swisscam Magazine 58
http://www.swisscam.com.br/edition-58-focus-education.html
Der Hauptgrund liegt an der schleppenden Entwicklung der Exporte. Die jüngste Rezession wurde durch den stärksten Einbruch der Schweizer Export seit dem zweiten Weltkrieg ausgelöst. Bis Ende dieses Jahres dürfte der Einbruch der Exporte insgesamt ca. 15 % betragen. Die Metall- (-37%), Uhren- (-26%) sowie die Maschinen- und Elektronikindustrie (-25%) haben aber bisher wesentlich höhere Einbussen zu verkraften.
Eine kräftigere Erholung der Schweizer Wirtschaft setzt somit eine Gesundung der Exporte voraus. Hier sind Prognosen gegenwärtig aus vier Gründen sehr schwierig. So ist erstens kaum abschätzbar, wie sich das Auslaufen der zum Teil massiven staatlichen Massnahmen zur Konjunkturstützung im Ausland auswirken wird. Zweites ist das globale Finanzsystem noch weit von stabilen Verhältnissen entfernt. Auch in der Schweiz wirkt sich die gesunkene Wertschöpfung des hiesigen Finanzsektors stark rezessiv aus. Drittens kann die äusserst expansive Geldpolitik nicht ewig fortgeführt werden. Und Viertens bremst der zunehmende Protektionismus vieler Staaten die Dynamik des Welthandels.
Trotz dieses eher betrüblichen Hauptszenarios für die nächsten vierzehn Monate dürfen jedoch positive Aspekte der Schweizer Wirtschaft nicht ausgeblendet werden. So fällt auf, dass die Schweiz verglichen mit anderen stark exportorientierten Ländern wie Deutschland oder Japan relativ gut abschneidet. Der Binnenkonsum ist äusserst stabil und hat sich positiv ausgewirkt. Selbst wenn der Konsum 2010 wegen der rasch ansteigenden Arbeitslosigkeit schwächer ausfallen dürfte, so hat er doch eine Vertiefung der Rezession verhindert. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz sehr hoch eingeschätzt wird, gemäss WEF weltweit gar am besten ist. Gerade der Verzicht auf grossdimensionierte Ausgabenprogramme zur temporären Stimulierung der Konjunktur zahlt sich nun doppelt aus: Einerseits durch eine vergleichsweise tiefere Steuerlast in der Zukunft und andererseits durch eine nochmals gesteigerte Attraktivität als Unternehmensstandort im harten internationalen Wettbewerb.