Schulqualität und –entwicklung – „die Zeiten haben sich geändert“

27/10/2009
Bernhard Beutler
Generaldirektor
Swisscam Magazine 58
http://www.swisscam.com.br/edition-58-focus-education.html

Die Forderung nach höchster Qualität der Leistungen der Schulen wird in den kommenden Jahren noch vermehrt, vor allem von der Wirtschaft, her kommen - wie allerorts bekannt - kann die Wirtschaft im zunehmenden internationalen Konkurrenzkampf nur noch mit gut ausgebildeten Berufsleuten bestehen. Darauf muss die Schule gegenüber Öffentlichkeit mit einem Qualitätsmanagement reagieren können, d.h. einer Führung, die sicherstellt, dass Lehrerschaft und Verwaltung konstant um die Erbringung von Leistungen höchster Qualität bemüht sind.

Weitgehender Konsens besteht darüber, dass eine Qualitätsevaluation für eine zukunftsgerechte Gestaltung des schulischen Bildungswesens notwendig ist. Gefordert werden sinnvolle und zweckmässige Instrumente, die sowohl bei der internen Evaluation als auch der externen Evaluation zur Schulqualität beitragen helfen. Alle Bemühungen und Qualitätsverbesserungen laufen ins Leere, wenn deren Wirksamkeit nicht gemessen werden kann.

Bei einem Qualitätsmanagement gilt als Hauptziel, dass es für die verschiedenen Prozesse der Schulentwicklung einen definierten Aufbau und Ablauf zeigt, unter Berücksichtigung der von der Schule gesteckten Ziele und zu verbesserenden Bereiche (z.B. Internationalität, ausländische Pädigogik und Methodik, Organisation). Bedeutend ist auch, dass der Nutzen des Qualitätsmanagements für die beteiligten Personen und Schnittstellen klar ersichtlich ist. Auch müssen sich Schulleitung und Lehrerschaft einig sein, dass das Qualitätsmanagement Voraussetzungen für ein verbessertes Schulklima schafft, d.h. die Qualitätsarbeiten dienen seinem Zweck nur, wenn sie einerseits von den Lehrkräften, Schulleitungen und Verwaltungen gelebt werden. Für alle Beteiligten ist wichtig, dass das Qualitätsmanagement die Stärken z.B. der ausländischen Schule unterstreicht und die Schwächen erkennt, damit Fähigkeiten wie Selbstentwicklung und stetige Weiterentwicklung der Schule als Selbstverständlichkeiten wahrgenommen werden. Der Nutzen eines Qualitätsmanagements resultiert aus dem Vorantreiben der Schulentwicklung, nicht aus Überprüfung und Kontrolle.

Als Basis für das Qualitätsprojekt galten die folgenden Merkmale guter Schulen aus einer Vielzahl von Einzeluntersuchungen von Brookover 1979, Aurin 1991, Steffens & Bargel 1993, Gary & Wilcox 1995, Altrichter & Posch 1997 und Fend 1998: Eine klare Konzeption der Schule mit pädagogischen Leitideen, hohe Lernerwartungen an die Lernenden aufgrund einer klaren Leistungsorientierung der Schule, pädagogisches Engagement der Lehrkräfte und eine zielstrebige Führung des Unterrichts, gute Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit einem Schwergewicht auf der Schulentwicklung und zielgerichtete Selbstevaluation, Sicherung von Mindestbedingungen von Disziplin und Ordnung in der Schule, Führungsqualitäten der Schulleitung (gute Leadership), arbeitsorganisatorisches Funktionieren der Schule, positive Beziehungen zwischen Schule und Familie und das Klima des gegenseitigen Vertrauens.

Die Schulentwicklung ist - zumindest heute - ein langfristiger, kontinuierlicher, dynamischer und planmässiger Analyse-, Problemlöse-, Innovations- und Lernprozess, der von allen Beteiligten einer Schule getragen werden muss. Das gemeinsame Leistungsziel - zum Wohle des Schülers - ist die wichtigste Voraussetzung.

 


Vor knapp 2 Jahren hat die Schweizerschule Curitiba/Brasilien die sog. Qualitätsarbeiten in Angriff genommen (mit Hilfe von ISO 9000:2000).
Der Kanton Aargau/Schweiz (Aargau ist der Patronatskanton der Schweizerschule Curitiba und ist somit mit der pädagogischen Aufsicht beauftragt) setzte im Jahre 2002 bezüglich Qualitätsentwicklung und -sicherung der Schulen einen markanten Meilenstein. Er entschied mit dem Bericht „Führung Schule vor Ort" ein ganzheitliches Qualitätssicherungssystem einzuführen. Die Schulleitungen des Kantons Aargau wurden beauftragt, durch ein schulinternes Qualitätsmanagement die notwendigen Verfahren und Instrumente aufzubauen. Auch veranlasste der Kanton den Aufbau der Fachstelle Externe Schulevaluation, welche in der Pädagogischen Hochschule in Aarau eingebettet ist. Die Externe Schulevaluation soll eine regelmässige Beurteilung der Qualität der Einzelschule garantieren. Die Schweizerschulen Curitiba und São Paulo nehmen freiwillig an der erwähnten „externen Evaluation" des Kantons Aargau teil, welche von beiden Schulen während zwei bis drei Jahren aufgebaut wird (erste externe Evaluation im Jahre 2012 bzw. 2013).