Die Sauber, von Peter Sauber

27/07/2011
Peter Sauber
Sauber Motorsport
Swisscam Magazine 65
http://www.swisscam.com.br/edition-65-focus-sport.html

Die Sauber Motorsport AG, mit Hauptsitz in Hinwil, ist ein Rennwagen Hersteller, welcher seit 1993 an der Formel 1 teilnimmt. Heute beschäftigt die Firma 280 Mitarbeiter die hart für den Erfolg ihrer Equipe (in der jeweiligen Kategorie) arbeiten. Die Geschichte geht bis Anfang der siebzieger Jahre zurück, als Peter Sauber seine Laufbahn in der Automobil-Herstellung begann. Wir führten ein kurzes Interview mit der Schweizer Legende des Autosports über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Was führte Sie dazu, sich für Autorennen zu interessieren wenn man bedenkt, dass Autorennen in den Schweizer 50er Jahren verboten wurde?
Peter Sauber: Das war reiner Zufall. Autos und Motorsport haben mich eigentlich kaum interessiert. Ich fuhr 1967 einen VW Käfer, als mich ein Freund dazu überredete, diesen tunen zu lassen. Das hat bei mir das Interesse am Basteln geweckt, und ich habe den Käfer derart modifiziert, dass er letztlich die Strassenzulassung verlor. Ich bin mit diesem Auto dann einige Club-Rennen gefahren, aber eigentlich hat mich bereits damals das Konstruieren mehr interessiert als das Fahren. 1970 habe ich mein erstes Auto konstruiert und gebaut, mit dem ich Schweizer Meister in der Kategorie der Rennsportwagen wurde.

Welche waren die Schritte bis hin zur Formel 1?
PS: Ich habe 1970 meine eigene Firma gegründet und ab diesem Zeitpunkt Rennsportwagen konstruiert und gebaut. Auf den C1 folgten der C2, C3, C4 und C5, mit dem wir Mitte der siebziger Jahre auch erste Erfolge auf internationaler Ebene feiern konnten. Ab Mitte der achtziger Jahre haben wir Mercedes-Motoren verwendet, woraus Schritt für Schritt eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Hersteller entstand. Ab 1988 waren wir in der Sportwagen-WM das Werksteam von Mercedes. 1989 feierten wir mit den Sauber-Mercedes C9 einen Doppelsieg in Le Mans, und wir gewannen auch die Sportwagen-WM für Fahrer und Teams, was wir 1990 wiederholen konnten. Als die Sportwagen-WM zunehmend an Interesse einbüsste, entschlossen wir uns gemeinsam, in die Formel 1 einzusteigen. Als Mercedes kurzfristig entschied, auszusteigen, wagten wir den Schritt 1993 alleine und holten mit Rang fünf gleich beim ersten Rennen in Kyalami WM-Punkte.

Gab es Momente, in denen Sie ans Aufhören dachten?
PS: Ja, solche Momente gab es mehrere. Immer dann, wenn wir in Le Mans ausgeschieden sind. Wenn man während einer Woche seine ganze Energie aufgebraucht hatte und mit leeren Händen da stand. Dann kam es mehr als einmal vor, dass ich meine Frau anrief und sagte, dass jetzt Schluss ist. Ein Jahr später waren wir dann immer wieder dabei!

Welchen Moment betrachten Sie als der Beste in der Geschichte von Sauber?
PS: Die besten Momente waren der Doppelsieg in Le Mans 1989 und der Doppelsieg beim GP Kanada, als Robert Kubica vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld siegte. Ein wichtiger Erfolg war auch der vierte Platz in der Konstrukteurs-WM 2001, den wir damals als Privatteam erreichten.

Wie sehen Sie das Szenario für neue Talente in der Formel 1, da Sie ein Spezialist sind, grosse Fahrer für diesen Sport zu gewinnen? Ou melhor: Wie sehen Sie als Spezialist das Szenario für aufkommende Jung/Neu-Talente in der Formel 1, zumal Sie bereits einige grosse Piloten zum Rennsport brachten?
PS: Zuerst möchte ich festhalten, dass ich nie Talente gesucht habe. Es eigentlich war es immer so, dass Manager auf mich zukamen und mir ihre Fahrer anpriesen. Das sind im Laufe eines Jahres ziemlich viele, und die Kunst war es, den richtigen auszuwählen. Wenn ich eine solche Wahl treffe, dann ist das eine Mischung aus der Bewertung der reinen Resultate und meinem Bauchgefühl. Das hat in der Vergangenheit gut geklappt.

Glauben Sie, dass es möglich ist, den Rennsport - insbesondere die Formel 1 - eines Tages wieder in der Schweiz einzuführen?
PS: Bergrennen und Rallyes sind ja erlaubt, leider keine Rundstreckenrennen. Es wäre schön, wenn wir eine Strecke in der Schweiz hätten, auf der Rennveranstaltungen unterschiedlichster Art stattfinden könnten. An die Formel 1 denke ich dabei nicht, weil das aufgrund verschiedener Sachzwänge nicht realistisch ist.

Wir können sehen, dass das Sauber Team dieses Jahr erheblich gewachsen ist. Welche sind nun die Erwartungen für die zweite Jahreshälfte (2011)?
PS: Unsere Zielsetzung vor der Saison war es, bei jedem Rennen in die Punkte zu fahren und unsere Position in der Konstrukteurs-WM deutlich zu verbessern. Das ist uns bisher gelungen, und diese Zielsetzung gilt auch für den Rest der Saison. Falls wir eine Chance haben, uns weiter nach vorne zu orientieren, werden wir das sicher tun.

Welche sind Ihre Eindrücke betreffend der Strecke in Interlagos SP und des diesjährigen Rennens?
PS: Die Strecke in Interlagos hat ihren eigenen Charme. Sie ist sehr schön in die Landschaft eingebettet und ist fahrerisch interessant. Vor allem ist die Stimmung unter den Fans immer grossartig. In Interlagos haben wir 2009 unseren vorerst letzten Podesplatz geholt - wir haben also gute Erinnerungen.

Welche sind die zu erreichende Ziele für das Team in den nächsten Jahren?
PS: Nach dem Ausstieg von BMW Ende 2009 mussten wir den Wandel vom Werksteam zum Privatteam vollziehen, d.h. Budget und Anzahl Mitarbeiter drastisch reduzieren. Das war ein sehr schwieriger Vorgang, der noch nicht ganz abgeschlossen ist. Es geht für uns darum, die Effizienz früherer Jahre wieder zu gewinnen, dann können wir uns in Zukunft weiter nach vorne orientieren und uns höhere Ziele setzen.